Man lernt nie aus – Politische Bildung in Hamburg wahrnehmen

Weiterbildungen finden nicht nur in einem beruflichen Kontext statt – auch private Themen wie Selbstverwirklichung, Indisch Kochen oder Französisch lernen können in Kursen und Seminaren angeboten werden. Ein weiteres großes Feld der Weiterbildungsangebote – neben beruflicher, sprachliche und privater – ist die politische Bildung bzw. Weiterbildung. Wir verraten, was politische Bildung ist und wie man an ihr in Hamburg teilhaben kann.  

Inhalt

  1. Was ist politische Bildung? 
    1. Politische Bildung in der Schule 
    2. Politische Bildung im Studium 
    3. Politische Bildung für Erwachsene 
    4. Politische Bildung im Alltag 
  2. Angebote zur politischen Bildung in Hamburg 
  3. Tag der Demokratie in Hamburg am 10. Juni 2021
  4. Warum politische Bildung wichtig ist

Was ist politische Bildung?

Die politische Bildung in Deutschland wird von der Bundeszentrale für politische Bildung verantwortet und definiert sich durch folgende Ziele:  

  • Politische Bildung vermittelt Wissen und Kompetenzen, mit denen man sich ein eigenes Urteil bilden und selbstbestimmte Entscheidungen treffen kann 
  • Politische Bildung befähigt dazu, sich selbst und die eigene Situation zu reflektieren, Selbstverantwortung und Verantwortung für die Gesellschaft zu erkennen, zu übernehmen und gestaltend auf Prozesse einzuwirken 

Politische Bildung in der Schule

Mit politischer Bildung kommen wir schon früh in Berührung, nämlich in der Schule. Neben Deutsch und Mathe gehören auch Fächer wie Geschichts-, Gesellschafts- und Politikunterricht zum Stundenplan. Schüler*innen wird zum Beispiel erklärt, was Demokratie ist, wie sie entstand und warum sie für unsere heutige Gesellschaft wichtig ist. Ebenso stehen die Vermittlung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und der Wert des Grundgesetztes im Fokus des Unterrichts in den höheren Klassenstufen. Dabei beruht der Inhalt des politischen Schulunterrichts auf dem Beutelsbacher Konsens, der besagt, dass Lehrkräfte zur Überparteilichkeit, aber nicht zur Wertneutralität verpflichtet sind. Demnach soll im Schulunterricht politisch Kontroverses auch kontrovers diskutiert werden. Der Schulunterricht dient dazu, Schüler*innen zu befähigen, sich eine eigenständige Meinung über politische Themen zu bilden. 

Politische Bildung im Studium

Foto: Kampus Production / Pexels

Was zu Schulzeiten beginnt, kann im Studium fortgesetzt werden. An deutschen Universitäten und Hochschulen gibt es zahlreiche Geschichts- oder Politik-Studiengänge, durch die sich Interessierte politisch bilden können. Politische Bildung findet an Hochschulen aber auch über die Mitwirkung in Studierendenvertretungen oder über die Wahl der Studienvertreter*innen statt. Die Teilnahme bei Demonstrationen, Besuche oder Forschungsaufträge in Museen oder Gedenkstätten können ebenfalls als politische Bildung bezeichnet werden.  

Politische Bildung für Erwachsene

Politische Bildung wird nicht nur während der Schulzeit und im Studium aktiv gelebt. Erwachsene Menschen, die sich für Politik interessieren, können sich mit Berichterstattung, politischem Mitwirken in einer Partei oder bei einem politischen Ehrenamt weiterbilden. Darüber hinaus bieten viele Arbeitgeber*innen Kurse und Seminare zur politischen und kulturellen Weiterbildung an. Oft sind es internationale Unternehmen, die mit internen Kursen zur Verständigung und einem kollegialen Zusammenhalt unter der internationalen Belegschaft beitragen möchten.  

Neben privat organisierter Wissens- und Kompetenzvermittlung gibt es zahlreiche öffentlich geförderte und private Bildungseinrichtungen, die kostenlose oder günstige Workshops, Diskussionsrunden, Stadtrundgänge und Vorträge zu verschiedenen Themen aus dem Bereich der politischen Bildung anbieten. Die Bundeszentrale für politische Bildung informiert über alle Veranstaltungen, Träger und Themen. Meistens finden die Weiterbildungsangebote abends oder am Wochenende statt, um möglichst vielen Menschen den Zugang zu den Veranstaltungen möglich zu machen. Bildungs- oder Studienreisen zu politischer Bildung sind ebenfalls eine tolle Möglichkeit, sich in Geschichte, Politik oder Kultur weiterzubilden. Auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung findet man unter “Veranstaltungen” die Auswahlmöglichkeit “Studienreise”. Mehrtägige Aufenthalte in Strasbourg zum Thema “EU” oder Reisen nach Berlin zum Thema “Koloniales Erbe” sind nur einige Beispiele der diesjährigen Reiseangebote.

Auch Stadtrundgänge werden im Rahmen von politischer Bildung angboten. | Foto: Alex Iby / Unsplash

Politische Bildung im Alltag

Die mediale Berichterstattung trägt einen großen Teil zum politischen Bewusstsein der Bevölkerung bei. Wenn man nicht an ausgewählten Kursen oder Seminaren teilnehmen kann oder möchte, kann es sinnvoll sein, regelmäßig Nachrichten zu schauen und Tageszeitungen mit unterschiedlichen politischen Schwerpunkten zu lesen. Geht es auf politische Wahlen zu, ist für viele Menschen der Wal-O-Mat, ebenfalls ein Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung, eine Entscheidungshilfe.

Der Bund wie auch die Medien haben das Ziel, politisches Mitwirken einfacher und zugänglicher zu gestalten und das vor allem für junge Menschen. So gibt es aktuell beispielsweise die Social-Media-Kampagne #ichbinsophiescholl von SWR und BR, bei der die Widerstandskämpferin Sophie Scholl, gespielt von Luna Wedler, in nachempfundener Echtzeit Erlebnisse und Gedanken aus den letzten 10 Monaten ihres Lebens mit den Zuschauer*innen teilt. So wird die politische Vergangenheit gerade für jüngere Menschen erlebbar und nahbar. Weitere Ideen für die (politische) Weiterbildung im Alltag haben wir für Sie hier und hier zusammengestellt. 

Angebote zur politischen Bildung in Hamburg 

In der Hansestadt Hamburg wird viel Wert auf politische Bildung auch außerhalb der Schule oder des Studiums gelegt. Die Hamburger Behörde für Schule und Weiterbildung und die Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg sehen die politische Bildung als Bringschuld des Staates gegenüber den Bürger*innen und fördern deshalb 14 Träger, die mit Kursen, Workshops und vielem mehr einen großen Teil zum demokratischen Zusammenleben und zur politischen Wissensvermittlung in Hamburg beitragen. Die 14 öffentlich geförderten Einrichtungen, zum Großteil Stiftungen und Vereine, bieten ihre Veranstaltungen oft kostenfrei oder zu einem geringen Pauschalpreis an und ermöglichen mit ihren Angeboten eine Vielzahl von Perspektiven auf die Grundfragen und aktuellen Herausforderungen von Politik und Gesellschaft.

Alle Kurse aller Träger – öffentlich gefördert und privat – finden Sie auf: http://politische-bildung-hamburg.de/. Weitere Portale für die Kurssuche finden Sie hier.

Tag der Demokratie in Hamburg am 10. Juni 2021

Am 10.06.2021 findet der erste Tag der Demokratie in Hamburg statt. Elf der 14 von der Stadt Hamburg geförderten Einrichtungen zur politischen Bildung sowie die Bundeskanzler Helmut Schmidt Stiftung haben sich für den 10.06.2021 zusammengeschlossen und ein spannendes und Corona-konformes Programm auf die Beine gestellt. So gibt es unter anderem um 11 Uhr einen Stadtrundgang zum Thema “Hamburg und der Kolonialismus”, um 16.30 Uhr eine politische Radtour mit dem Titel “Demokratie in Hamburg – mit dem Rad erfahren!” oder um 19 Uhr die Diskussionsrunde “Mein Bauch gehört mir!”, die online stattfinden wird. Nehmen Sie die Chance wahr, informieren Sie sich, diskutieren Sie mit, entwickeln Sie gemeinsam Lösungen! So kann an diesem Tag der Demokratie beispielhaft das passieren, was eine lebendige Demokratie jeden Tag braucht: Information und Dialog, on- und offline, für alle offen.

Weitere Infos zu Anmeldung, Treffpunkten etc. Finden Sie auf https://www.demokratietag-hamburg.de/ 

Warum politische Bildung wichtig ist

Sich weiterzubilden und seine Freizeit wertvoll und spannend zu gestalten – daran haben viele Menschen Interesse. Die politischen Bildungsangebote knüpfen genau da an und bieten in einem ungezwungenen Kontext Wissensermittlung an, für die einem ansonsten im Alltag vielleicht die Zeit fehlt. Gemeinsam mit anderen kann man bei politischen Bildungsangeboten diskutieren, lernen, sich austauschen, eine andere Sichtweise kennenlernen und soziale Kontakte knüpfen. So helfen politische Bildungsangebote dabei, sich gegen Rassismus, Sexismus und andere Formen der Diskriminierung stark zu machen. 

Politische Bildungsangebote bieten auch den Raum, Aktuelles anzusprechen, um sie später für sich selbst einordnen zu können. Gerade zu Corona-Zeiten haben Bildungsträger gemeinsam mit Expert*innen Angebote geschaffen, um die Pandemie und die Folgen des Virus zu erklären. 

Ein gutes Miteinander und Zusammenleben beruhen auf gegenseitigem Respekt, Wertschätzung, Empathie und Kommunikation – und genau das wird bei politischen Bildungsangeboten vermittelt.  

Autorin: Angela Galliard
© Weiterbildung Hamburg e. V.

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