Traumberuf in der Pflege: Farhads Weg zum Gesundheits- und Pflegeassistenten

Foto: Grone-Bildungszentren Hamburg, C. Leib

Für Farhad Rajabi Namdar ist eine Stelle in der Pflege mehr als nur ein Job. Es ist eine Überzeugung, eine Lebenseinstellung, eine Herzenssache. Nachdem er aus seinem Heimatland fliehen musste, fand der erst seit drei Jahren in Deutschland lebende Iraner hier endlich einen Weg in seinen Traumberuf – eine Umschulung zum Gesundheits- und Pflegeassistent.

LKW fahren im Iran, mit Textilien arbeiten in Südkorea

„Ich möchte Menschen helfen!“, erklärt der 40-jährige. Andere Menschen unterstützen, denen es nicht so gut geht wie ihm, war schon immer seine Berufung. Bis er dafür jedoch auch den passenden Beruf gefunden hatte, brauchte es viele Jahre und große Lebensveränderungen.

Im Iran machte Farhad seinen Schulabschluss, das Abitur erreichte er aber nie. Ohne einen richtigen Plan für den Rest seines Lebens stand Geld verdienen ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Statt also eine Ausbildung zu machen, versuchte er sich mit vielen verschiedenen Jobs finanziell über Wasser zu halten. Im Iran war er Taxifahrer, LKW-Fahrer und Verkäufer. Im Jahr 2000 ging er für 7 Jahre nach Südkorea und schlug sich dort als Mitarbeiter in einer Textilfirma durch, aber glücklich wurde er damit nicht:

„Ein LKW-Fahrer verdient auch Geld, aber ich wusste immer, dass ich etwas anderes machen sollte. Mein Herz war nicht mit bei der Sache!“

Neustart in Deutschland: Erstmal die Sprache lernen

Nachdem er den Iran verlassen musste, kam er 2018 dann nach Deutschland, doch der Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt fiel ihm nicht leicht. Wie viele andere in seiner Lage, musste auch Farhad zunächst seine Sprachkenntnisse aufbessern. Denn gerade in der Pflege, wo es oft um medizinische Fachausdrücke und detaillierte Instruktionen geht, sind Deutschkenntnisse von mindestens B1, besser noch B2, unverzichtbar.

Nach einer Kompetenzfeststellung für Gastronomie und Hotellerie beim Bildungsträger Grone arbeitete Farhad über 6 Monate in der Küche eines Restaurants, stand dafür morgens um 6 Uhr auf, ging nach dem Feierabend direkt zum Sprachkurs und erarbeitete sich das Zertifikat der Sprachstufe B1. Seine Anstrengung zahlte sich aus. 2020 konnte er eine Umschulung zum Gesundheits- und Pflegeassistent bei Grone starten.

Umschulung als Weg in die Pflege auch ohne Schulabschluss

Durch seine Kontakte beim Bildungsträger erfuhr er von der 16-monatigen Umschulung „Gesundheits- und Pflegeassistenz“. Die GPA-Umschulung bietet die Möglichkeit, sich auch ohne Schulabschluss für eine staatlich anerkannte Ausbildung in der Pflege zu qualifizieren. Auch für Menschen, die einen Abschluss in der Pflege im Ausland gemacht haben und diesen in Deutschland nicht anerkannt bekommen, ist damit der Weg in einen Pflegeberuf in Deutschland möglich. Um den sprachlichen Anforderungen der Umschulung zu entsprechen, gibt es die Möglichkeit, die Umschulung in 19 Monaten mit, statt in 16 Monaten, zu absolvieren. Bei dieser Variante geht der Umschulung ein 3-monatiger Sprachkurs voraus.

Als Farhad in die Umschulung startete, kam eine solche Variante mit Sprachkurs leider nicht zustande, doch durch seine freundliche und positive Art konnte er die Lehrenden schnell auf seine Seite holen und organisierte sich Nachhilfe und Unterstützung, wo er sie brauchte.

Mit positiven Erfahrungen aus Praktika durch die Umschulung

Foto: Grone-Bildungszentren Hamburg, C. Leib

Wirklich überzeugen konnte Farhad aber vor allem in den Praktika, die Teil der Umschulung sind. Wie es der Lehrplan vorsieht, verbrachte er jeweils 6 Wochen in Vollzeit in einer ambulanten Pflegeeinrichtung, in stationärer Altenpflege und in stationärer Krankenpflege. Für sein letztes Praktikum, in dem auch seine praktische Abschlussprüfung stattfand, durfte er den Betrieb frei wählen. Neben dem Theoriewissen geht es in der Umschulung eben vor allem um die praktische Erfahrung, damit die Umschulenden herausfinden können, in welchem Bereich der Pflege sie tätig sein möchten. Für Farhad waren es gerade diese praktischen Erfahrungen, die ihn in der Ausbildung hielten:

„Die Menschen in den Pflegeeinrichtungen freuen sich einfach so sehr, wenn man morgens zu ihnen kommt. Das ist das schönste Gefühl!“

Mit dieser positiven Einstellung schaffte er es durch die anspruchsvolle Umschulung. Für sein letztes Praktikum wählte er eine Stelle in der stationären Altenpflege. Die praktische Prüfung schloss er mit einer 1 ab.

Staatlich geprüfter Gesundheits- und Pflegeassistent: Auf zur Jobsuche!

Mitte Oktober legt Farhad auch seine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung ab. Mit dem Abschluss seiner Umschulung steht die nächste Herausforderung an, die Jobsuche. Farhad freut sich aber auch auf diesen Abschnitt und ist bereits jetzt dabei, sich nach einer Stelle umzuschauen. Als staatlich geprüfter Gesundheits- und Pflegeassistent hat er nun beste Voraussetzungen, um auch eine feste Stelle in seinem Traumberuf zu finden.

Obwohl es für ihn nicht immer leicht war, ist Farhad einfach nur dankbar, dass er die Umschulung machen durfte. „Wenn ich es nochmal machen müsste, würde ich es ganz genau so machen“, erklärt er und freut sich darauf, endlich einen Job zu haben, der ihm wirklich Freude macht. Seine Frau, die mit seiner 9-jährigen Tochter im Iran lebt, ist Krankenschwester. Seit 3 Jahren hat er sie schon nicht mehr gesehen und auch wenn sie regelmäßig telefonieren, hofft er darauf, seine Familie bald in Deutschland in die Arme schließen zu können.

Wir wünschen Farhad alles Gute für die Zukunft!

Mehr zum Pflegeberuf und entsprechenden Weiterbildungen finden Sie hier und weitere Infos zum Thema Umschulung hier. Wenn Sie direkt nach Umschulungs- und Weiterbildungsangeboten suchen möchten, finden Sie hier eine Übersicht an Kursportalen für Ihre Recherche!

Text: Celine Leib, Grone Bildungszentrum für Gesundheit und Sozialberufe
© Weiterbildung Hamburg e. V.

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