Was ist eine Umschulung, wie kann man eine machen und wer bezahlt sie?

Eine Umschulung ist eine spezielle Form der Weiterbildung und kann unter bestimmten Voraussetzungen bezuschusst oder finanziert werden. Wir klären auf, was eine Umschulung genau ist, welche Voraussetzungen es gibt und wie man sie finanzieren kann.

Inhalt

  1. Was ist eine Umschulung?
  2. Voraussetzungen und Finanzierung
    1. Voraussetzungen für eine Umschulung im Rahmen der Agentur für Arbeit
    2. Voraussetzungen für eine Umschulung über die Berufsgenossenschaft
    3. Voraussetzungen für eine Umschulung über die Rentenversicherung
  3. Sonderfall Quereinstieg
  4. Private Umschulung

Was ist eine Umschulung?

Mit einer Umschulung wird das Ausüben eines anderen oder neuen Berufes angestrebt. Sie kann demnach als eine Art Weiterbildung oder sogar als eine andere Form der Ausbildung bezeichnet werden.

Eine Umschulung ist also eine berufliche Neuorientierung und kann je nach Tätigkeitsfeld und Umfang etwa ein bis dreieinhalb Jahre dauern. Bringt der oder die Umschulungs-Teilnehmer*in bereits Vorerfahrungen aus einem ähnlichen Berufsfeld mit, kann die Umschulung gegebenenfalls verkürzt werden.

Gründe für eine Umschulung können z.B. sein:

  • Der erlernte Beruf wird nicht mehr nachgefragt
  • Sie sind berufsunfähig
  • Ihr Berufsfeld ist durch technische Neuerungen betroffen
  • Sie möchten beruflich neue Wege gehen

Voraussetzungen und Finanzierung

Wenn Sie einen anderen bzw. neuen Beruf anstreben, sollten Sie sich unbedingt vorab über Ihre Möglichkeiten bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter informieren – auch wenn Sie sich noch in einem Angestelltenverhältnis befinden oder eine selbstständige Tätigkeit ausüben. Denn womöglich erfüllen Sie Voraussetzungen, die Sie zu einer Umschulung im Rahmen eines Programms der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters berechtigen.

Voraussetzungen für eine Umschulung im Rahmen der Agentur für Arbeit

Dass man nur wenige konkrete Informationen zum Thema Umschulung, Voraussetzungen und Finanzierung im Internet findet, liegt wahrscheinlich daran, dass die Agentur für Arbeit Ihre persönliche Situation am besten im Rahmen eines Beratungs- bzw. Einzelgesprächs feststellen kann. Deshalb gilt: Wenden Sie sich bei Interesse an einer Umschulung an Ihre* zuständige*n Ansprechpartner*in bei der Agentur für Arbeit. Über diesen Link finden Sie anhand Ihrer Postleitzahl die richtige Dienststelle, bei der Sie ein Beratungsgespräch vereinbaren können.

Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die Voraussetzungen für eine Umschulung im Rahmen der Agentur für Arbeit gegeben sind, wenn beispielsweise Ihr erlernter Beruf bald nicht mehr nachgefragt oder wenn Ihr gesamtes Berufsfeld durch technische Neuerungen gefährdet ist. Erfüllen Sie alle Voraussetzungen, kann Ihre Umschulung dann auch finanziell unterstützt werden. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter kann mit folgenden Leistungen unterstützen oder Sie an entsprechende Stellen weiterleiten:

  • Bildungsgutschein
  • Weiterbildungsprämie
  • Teilnahme am Programm „WeGebAU“
  • Teilnahme an der Initiative „Zukunftsstarter“ der Agenturen für Arbeit
  • Teilnahme am Förderprojekt „Stark im Beruf“
  • Teilnahme am Förderprojekt „Perspektive Wiedereinstieg“
  • Bildungsprämie und das Aufstiegs-BAföG des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
  • Weiterbildungsschecks und Bildungsurlaube (Förderangebote einzelner Bundesländer)

Streben Sie eine Umschulung an, in der Sie lediglich ein Azubi-Gehalt beziehen, das Ihre Lebenshaltungskosten allerdings nicht deckt, können Sie zusätzlich eine Aufstockung über das Jobcenter beantragen. Eine Alternative könnte auch das sogenannte Wohngeld sein, das Sie unter bestimmten Voraussetzungen zur Finanzierung Ihrer Miete erhalten können.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Jobwechsel dank Weiterbildung
Bild: Marten Bjork / Unsplash

Voraussetzungen für eine Umschulung über die Berufsgenossenschaft

Ihre Berufsgenossenschaft kann ebenfalls eine Umschulung finanzieren. Auch hier gelten recht strikte Voraussetzungen, die Sie erfüllen müssen. So fördert die Berufsgenossenschaft eine Umschulung nur, wenn die betroffene Person aufgrund eines von der Berufsgenossenschaft anerkannten Arbeitsunfalls oder durch eine Berufskrankheit den bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann. Ist Ihr Unfall allerdings in Ihrer Freizeit passiert, ist die Berufsgenossenschaft für die Umschulung nicht zuständig. Darüber hinaus ist Voraussetzung, dass Sie bereits über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen müssen.

Mehr Informationen zum Thema Umschulung über die Berufsgenossenschaft finden Sie hier.

Voraussetzungen für eine Umschulung über die Rentenversicherung

Bevor Sie sich mit Ihren Plänen für eine Umschulung an die gesetzliche Rentenversicherung wenden, sollte Sie zunächst Ihre Möglichkeiten bei der Agentur für Arbeit, beim Jobcenter und bei Ihrer Berufsgenossenschaft klären. Denn manchmal überschneiden sich die Zuständigkeiten und Voraussetzungen, sodass die Rentenversicherung häufig die letzte Anlaufstelle darstellt.

Damit die Rentenversicherung eine Umschulung übernimmt, müssen Sie mindestens 15 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Dabei müssen Sie nicht die ganzen 15 Jahre berufstätig gewesen sein, denn Beiträge aus Versorgungsausgleich, Kindererziehung, Pflicht- und freiwillige Beiträge werden gleich behandelt.

Die gesetzliche Rentenversicherung kann eine Umschulung ebenfalls übernehmen, sofern:

  • Sie aufgrund gesundheitlicher Probleme Ihren Beruf nicht ausüben können und Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente haben,
  • Sie Anspruch auf eine große Witwen- oder Witwerrente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit haben
  • Sie an einer medizinische Rehabilitation teilgenommen haben und eine berufliche Rehabilitation für die weitere Gesundung erforderlich ist.

Mehr Informationen zum Thema Umschulung durch die gesetzliche Rentenversicherung lesen Sie hier.

Erfahren Sie hier, wie Sie die richtige Weiterbildung finden

Sonderfall Quereinstieg

In vielen Bundesländern mangelt es an Fachpersonal in Erziehungs- und Pflegeberufen. Deshalb haben Bund und Länder verschiedene Programme ins Leben gerufen, um diese Berufsfelder zu stärken. Eines dieser Programme ist der sogenannte Quereinstieg, der es Interessierten ermöglicht, den Beruf in kürzerer, aber intensiver Zeit zu erlernen. Auch Umschulungs-Teilnehmer*innen können vom Quereinstiegs-Programm profitieren. In manchen Fällen fördert die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter den Quereinstieg. 

Mehr Informationen zum Thema Quereinstieg in Erziehungsberufen finden Sie hier.

Und mehr Informationen zum Quereinstieg in Pflegeberufen finden Sie hier. 

Private Umschulung

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für eine finanziell unterstützte Umschulung nicht, können Sie immer noch privat umschulen. Sie könnten z.B. eine weitere Ausbildung in Ihrem Traumberuf absolvieren oder ein Studium oder Teilzeitstudium aufnehmen, um Ihrem Ziel näher zu kommen. Eine Zweitausbildung machen heutzutage immer mehr Menschen. Die Zeiten, in denen man 40 Jahre lang den gleichen Beruf ausübt, sind Geschichte. Wagen Sie also den Schritt in Richtung Traumberuf.

Wege des privaten Berufswechsels können z.B. sein:

  • Zweite oder weitere Ausbildung (betrieblich, schulisch oder bei einem Bildungsträger)
  • Studium, Teilzeit- oder Abendstudium an einer staatlichen Universität oder Fachhochschule
  • Studium an einer Fernuni (Fernstudium)
  • Private Weiterbildungskurse oder Seminare
  • Ausbildung oder Seminare an Privatschulen bzw. -unis.
  • Praktikum (als Einstiegschance)
Beratungsangebote zum Thema Umschulung oder Weiterbildung finden Sie hier.

Text: Angela Galliard
© Weiterbildung Hamburg e. V.

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