Weiterbildung bei Kurzarbeit: Warum genau jetzt die beste Zeit dafür ist

Besonders das vergangene Jahr 2020 hat vielen Menschen Hürden gestellt, die es auch im aktuellen Jahr zu überwinden gilt. Viele Arbeitnehmer*innen befinden sich aufgrund der Corona-Krise aktuell in Kurzarbeit, bangen um ihre Arbeitsstelle und müssen sich mit weniger Einkommen zufriedengeben.  

Aber wie lautet nochmal das Sprichwort mit den Zitronen und der Limonade? Genau! Machen Sie das Beste aus Ihrer Situation und nutzen Sie die vielen Möglichkeiten und Förderungen, um sich beruflich weiterzubilden. So können Sie gestärkt und voller Freude über Ihre neuerlangten Kompetenzen durchstarten.  

Bedingt durch die Corona-Pandemie und der Vielzahl an Anmeldungen zur Kurzarbeit, hat die Bundesregierung mit entsprechenden Maßnahmen reagiert, die Ihnen als Arbeitnehmer*in in Kurzarbeit zugutekommen. Wir haben für Sie zusammengefasst, warum deshalb gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für eine berufliche Weiterbildung ist.  

  1.  Was ist Kurzarbeit?
  2.  Jetzt Zeit nutzen und weiterbilden
  3.  Berufliche Weiterbildung ist persönliche Weiterentwicklung
  4.  Weiterbildung als Sprungbrett nutzen 
  5.  Berufliche Weiterbildung: Von Fördermöglichkeiten durch Corona profitieren 
  6.  Fazit 

Was ist Kurzarbeit? 

Wenn Sie selbst von Kurzarbeit betroffen sind, versuchen Sie das Ganze eher positiv zu sehen, denn: Kurzarbeit ist ein Instrument, um bei einem vorübergehenden erheblichen Arbeitsausfall Kündigungen zu vermeiden. Folglich bedeutet das zum einen, dass der Betrieb bald wieder auf Hochtouren laufen wird und zum anderen möchte Ihr*e Arbeitsgeber*in Sie als Arbeitskraft behalten.  

Durch die Corona-Pandemie haben viele Unternehmen Kurzarbeit aufgrund von Arbeitsausfall angemeldet. Grundsätzlich können ganze Unternehmen oder nur einzelne Abteilungen von Kurzarbeit betroffen sein. Die Arbeitnehmer*innen, die in Kurzarbeit geschickt werden, arbeiten entweder weniger oder überhaupt nicht und können unter bestimmten Voraussetzungen eine Entgeltersatzleistung aus der Arbeitslosenversicherung, das so genannte Kurzarbeitergeld, beanspruchen. 

Jetzt Zeit nutzen und weiterbilden 

Menschen, die durch die Corona-Pandemie in die Kurzarbeit gegangen sind, haben in vielen Fällen erheblich mehr Zeit als vorher und das kann man auch positiv sehen. Warum nicht die gewonnene Zeit nutzen – und zwar für eine berufliche Weiterbildung? So viel Zeit wie jetzt werden Sie für Weiterbildungsmaßnahmen wahrscheinlich nie wieder haben.  

Zudem bringt eine Weiterbildung Struktur zurück in Ihren Alltag. Manchen Menschen macht die viele neue Zeit nämlich schwer zu schaffen. Gerade wenn man es gewohnt ist, viel zu arbeiten, einen geregelten Tagesablauf zu haben und Tag für Tag seine Mitmenschen bei der Arbeit zu sehen, ist die Kurzarbeit keine einfache Phase. Füllen Sie Ihre Zeit also mit der passenden Weiterbildung und bringen Sie so Struktur und damit neue Motivation in Ihr Leben.  

Berufliche Weiterbildung ist persönliche Weiterentwicklung 

Mit einer beruflichen Weiterbildung können Sie sich viele neue Kompetenzen aneignen, neue Computeranwendungen kennenlernen oder handwerkliche Fähigkeiten ausbauen. Eine berufliche Weiterbildung trägt aber auch gleichzeitig immer zu einer persönlichen Weiterentwicklung bei. Sie lernen neue Menschen kennen, arbeiten vielleicht in einigen Maßnahmen als Team oder müssen sich beim Erlernen der Fähigkeiten auf neue Lernmethoden einlassen, sich in Geduld üben oder an Ihrer Kreativität arbeiten. All diese Fähigkeiten, die Sie neben der eigentlichen Weiterbildung mitbekommen, bringen Sie persönlich und auch beruflich weiter. In Betrieben sind Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Sorgfalt oder Einsatzbereitschaft Tugenden, auf die neben Ihrer fachlichen Qualifikation sehr viel Wert gelegt werden.  

HeyLagosTechie / Unsplash

Weiterbildung als Sprungbrett nutzen 

Die Teilnahme an einer beruflichen Weiterbildung, während Sie in Kurzarbeit sind, kann Ihnen viele Türen öffnen. Vielleicht denken Sie schon eine Weile über einen Jobwechsel nach, können aber in bestimmten Bereichen die geforderten Qualifikationen nicht aufweisen? Machen Sie in genau dem Bereich, der Ihnen noch nicht gut liegt, eine Weiterbildung und nutzen Sie Ihre Chance auf einen Jobwechsel. In Vorstellungsgesprächen können Sie mit Ihren neu erworbenen Fähigkeiten punkten und zeigen mit der Teilnahme an Lehrgängen, dass Sie bereit sind, neue Dinge zu lernen und nicht davor zurückschrecken, Verantwortung zu übernehmen. 

Ein Wechsel in ein anderes Unternehmen muss dabei nicht immer das Ziel sein. Auch innerhalb Ihres jetzigen Arbeitsverhältnisses macht sich eine Weiterbildung sehr gut. Sie zeigen Ihren Vorgesetzen damit Eigeninitiative, Lernbereitschaft und Engagement. Und vielleicht steht bald eine Beförderung oder eine intern ausgeschriebene Stelle im Raum, für die Sie mit den absolvierten Weiterbildungsmaßnahmen bestens geeignet sind.  

Berufliche Weiterbildung: Von Fördermöglichkeiten durch Corona profitieren 

Der Corona-Pandemie kann man wirklich nur schwer etwas Gutes abgewinnen. Jedoch hat die Bundesregierung auf die zahlreichen Anmeldungen zur Kurzarbeit reagiert und ein Förderprogramm für berufliche Weiterbildungsmaßnahmen für Menschen in Kurzarbeit ins Leben gerufen. Deshalb ist genau jetzt die richtige Zeit für eine berufliche Weiterbildung. 

Bis zum 31.07.2023 wird mit dem Beschäftigungsgesetz eine befristete Förderregelung geschaffen, die besagt, dass Arbeitgeber*innen für die beruflichen Weiterbildungen ihrer Beschäftigten, die während der Kurzarbeit beginnen, Zuschüsse zu den Weiterbildungskosten nach § 106a SGB III erhalten, wenn:  
 

  •  die Weiterbildungsmaßnahme mehr als 120 Stunden dauert, 
  •  die Maßnahme und der Träger der Maßnahme für die Förderung zugelassen sind und 
  •  der*die Arbeitgeber*in nicht auf Grund bundes- oder landesrechtlicher Regelungen zur Durchführung der Weiterbildung verpflichtet ist. 

Falls Ihr*e Arbeitgeber*in Sie noch nicht auf die Möglichkeit zur Weiterbildung angesprochen hat, nehmen Sie Ihre Chance selbst in die Hand und schlagen Sie eine Weiterbildungsmaßnahme vor. Sie werden mit Sicherheit auf großes Interesse seitens Ihres*r Arbeitgeber*in stoßen, denn welches Unternehmen profitiert nicht von Mitarbeiter*innen, die sich weiterbilden und Initiative zeigen?  

Darüber hinaus ist die Weiterbildungsmaßnahme in vielen Fällen für Ihre*n Arbeitgeber*in (und für Sie ohnehin) kostenlos, da berufliche Weiterbildungen bei Kurzarbeit bis zu 100 % subventioniert werden. 

Bei einer Förderung erhalten Unternehmen 

  •  mit weniger als zehn Beschäftigten 100 Prozent, 
  •  mit zehn bis 249 Beschäftigten 50 Prozent, 
  •  mit 250 bis 2.499 Beschäftigten 25 Prozent und 
  •  mit 2.500 und mehr Beschäftigten 15 Prozent 

der Lehrgangskosten für die Teilnehmer*innen erstattet. 

Darüber hinaus erhalten Arbeitgeber*innen, die ihre Mitarbeiter*innen während der Kurzarbeit in eine berufliche Weiterbildung schicken, 50 % der von dem*r Arbeitgeber*in alleine zu zahlenden Beiträge zur Sozialversicherung für die Beschäftigten in Kurzarbeit erstattet.  

Fazit 

So günstig wie jetzt gerade können Arbeitgeber*innen ihre Beschäftigten vermutlich nie wieder weiterbilden lassen und das genau ist das Ziel des Förderprogramms für Weiterbildungsmaßnahmen für Beschäftigte in Kurzarbeit. Denn schlussendlich profitieren beide Seiten – Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen – gleichermaßen. Das Unternehmen hat nach Beendung der Kurzarbeit motivierte und kompetente Mitarbeiter*innen und Sie als Arbeitnehmer*in können Ihr neues Wissen für Beförderungen oder Jobsuche einsetzen. Ganz abgesehen davon, füllen Sie durch eine Weiterbildung Ihren Tag und bringen Struktur und eine große Portion Motivation zurück in Ihr Leben.  

Weiterführende Informationen

Welche Weiterbildungsangebote kann ich nutzen?

Das Angebot und der Träger müssen nach AZAV – Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung zugelassen sein. Entsprechende Angebote können Sie recherchieren, wenn Sie im jeweiligen Kursportal nach der Förderungsart Bildungsgutschein filtern. Eine Übersicht an Kursportalen finden Sie hier.

Hier finden Sie zudem ein Merkblatt der Agentur für Arbeit zur Förderung der beruflichen Weiterbildung für Arbeitnehmer*innen.

Wo und wie kann ich mich beraten lassen?

Um herauszufinden, welche Maßnahme für Sie die richtige ist, lassen Sie sich am besten bei einer unabhängigen Anlaufstelle (kostenfrei) beraten. Eine Übersicht über verschiedene Stellen finden Sie hier.

Autorin: Angela Galliard
© Weiterbildung Hamburg e. V.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.